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Letzter Arbeitstag und Endspurt

Wow, wir haben es geschafft
Wow, wir haben es geschafft
Hier bringen die Patienten Mais und Zucker Rohr als Merci
Hier bringen die Patienten Mais und Zucker Rohr als Merci
Letzter Abend
Letzter Abend


Gestern war unser letzter Behandlungstag hier in Sambia. Ein Tag, der uns allen noch einmal gezeigt hat, warum wir hier sind – und gleichzeitig, wie schwer es ist, wieder zu gehen.

Schon am Morgen lag eine besondere Stimmung in der Luft. Wir wussten: Es ist das letzte Mal, dass wir hier gemeinsam behandeln, das letzte Mal, dass wir unsere improvisierten Behandlungsplätze aufbauen, das letzte Mal, dass wir versuchen, in kurzer Zeit so vielen Menschen wie möglich zu helfen.

Ein Moment hat sich dabei besonders eingebrannt. Wir haben ein achtjähriges Mädchen behandelt. Ihren ersten großen Backenzahn hat sie mit etwa sechs Jahren bekommen – und dieser war bereits von einer massiven Karies zerstört. Uns war sofort klar: Wenn wir heute nichts tun, wird dieser Zahn verloren gehen. Also haben wir alles gegeben und eine große Füllung gelegt – im Wissen, dass dies ihre einzige Chance ist, diesen Zahn zu behalten. Es war einer dieser Momente, in denen einem die Realität hier mit voller Wucht bewusst wird. Mir standen die Tränen in den Augen.

Doch nicht nur solche Situationen haben uns bewegt. Eine etwa 60-jährige Patientin hat sich mit einer Dankbarkeit bei uns verabschiedet, die kaum in Worte zu fassen ist. Sie hatte Tränen in den Augen – und ehrlich gesagt: Wir auch. Diese Begegnungen bleiben.

Am Nachmittag waren wir eigentlich längst am Ende unserer Kräfte. Jeder Handgriff fiel schwerer, die Konzentration ließ nach. Und trotzdem: Draußen warteten noch vier Patienten. Wir wussten, dass erst in etwa sechs Wochen wieder ein zahnärztliches Team vor Ort sein wird. Also haben wir weitergemacht. Noch ein Patient. Und noch einer.

Es war bereits nach 16 Uhr – eigentlich der Zeitpunkt, an dem wir den Tag beenden müssten. Aber wir konnten sie nicht wegschicken.

Mit letzter Kraft haben wir auch diese Patienten behandelt. Es war nicht leicht, sich noch einmal so zu fokussieren, aber wir haben es geschafft. Gemeinsam.

Wenn man am Ende auf die Zahlen schaut, wird einem erst richtig bewusst, was passiert ist. Ich war die einzige Zahnärztin vor Ort – und jeder einzelne gezogene Zahn, jede Behandlung, jede Entscheidung lag in meiner Verantwortung. Allein dieser Gedanke ist überwältigend. Und gleichzeitig zeigt er, was wir als Team geleistet haben. Ohne die Unterstützung meiner Assistenz wäre das niemals möglich gewesen.

Wir verlassen die Klinik mit gemischten Gefühlen. Mit Dankbarkeit, mit Stolz – aber auch mit einer gewissen Traurigkeit. Denn so sehr wir uns angestrengt haben: Es fühlt sich an wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Selbst wenn wir jedes Jahr mehrere Wochen hier wären, würde der Bedarf die Möglichkeiten weiterhin übersteigen.

Und genau deshalb haben wir begonnen, weiterzudenken.

Noch gestern haben wir mit den Verantwortlichen der Schule vor Ort gesprochen und eine Idee entwickelt, die nachhaltiger wirken kann: Als Zahnarztpraxis Zahninsel möchten wir die Kinder regelmäßig mit Zahnbürsten, Zahnpasta und Zahnpflege-Sets versorgen. Gemeinsam mit den Lehrern soll sichergestellt werden, dass die Kinder mindestens einmal täglich ihre Zähne putzen.

Ein einfaches System – aber eines, das langfristig einen echten Unterschied machen kann. Ähnliche Programme funktionieren auch in Deutschland und der Schweiz sehr gut, wenn Schulen aktiv eingebunden sind. Genau hier setzen wir an: Prävention statt ausschließlich Behandlung.

So gehen wir mit dem Gefühl, nicht alles lösen zu können – aber zumindest einen kleinen, nachhaltigen Beitrag zu leisten.

Nach dem Aufräumen haben wir den Tag gemeinsam ausklingen lassen und auf unseren Einsatz angestoßen. Auf all die Begegnungen, die Herausforderungen und das, was wir gemeinsam geschafft haben.

Jetzt beginnt für uns ein neuer Abschnitt: Wir werden noch ein wenig reisen, zur Ruhe kommen und das Erlebte verarbeiten.

Aber eines ist sicher – ein Teil von uns bleibt hier.

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Kommentare: 1
  • #1

    Marc (Sonntag, 17 Mai 2026 09:59)

    tolles Engagement.....