



Einsatz in Sambia – Tag 5: Wenn jede Extraktion zur Herausforderung wird
Der fünfte Tag unseres Einsatzes in Sambia begann mit viel Energie und Motivation – doch schon der erste Patient zeigte uns, wie herausfordernd dieser Tag werden würde. Gleich der erste Zahn, ein oberer Backenzahn ganz hinten im Kiefer, verlangte uns alles ab. Die Extraktion gestaltete sich äußerst schwierig: Der Zahn zerbrach in mehrere Teile, und ohne die Möglichkeit eines Röntgenbildes mussten wir uns Stück für Stück vorarbeiten.
In der westlichen Zahnmedizin ist es selbstverständlich, vor einer Extraktion ein Röntgenbild anzufertigen. So weiß man genau, was einen erwartet, kann die Anatomie einschätzen und die Behandlung entsprechend planen. Hier jedoch arbeiten wir ohne diese diagnostische Unterstützung. Jeder Zahn ist anders, und ohne visuelle Vorbereitung bleibt vieles eine Frage der Erfahrung – und manchmal auch der Wahrscheinlichkeit. In diesem Fall gehörte der Zahn leider zu den komplexeren Varianten, was die Behandlung deutlich erschwerte.
Bereits nach diesem ersten Eingriff waren die körperlichen Belastungen spürbar: schmerzende Unterarme, angespannte Handgelenke und ein leichtes Zittern – sowohl bei der Assistenz als auch bei der behandelnden Person. Doch der Tag ging weiter, und es folgten weitere Extraktionen. Eine nach der anderen. Die körperliche Anstrengung summierte sich schnell, und wir mussten bewusst darauf achten, unsere Belastungsgrenzen nicht zu überschreiten.
Was diesen Einsatz besonders fordernd macht, ist die Monotonie der Behandlungen. Während wir in Deutschland einen abwechslungsreichen Praxisalltag haben – von chirurgischen Eingriffen über ästhetische Versorgungen bis hin zur Kinderbehandlung – liegt hier der Fokus stark auf akuten Fällen, vor allem auf Zahnentfernungen. Das fordert nicht nur körperlich, sondern auch mental.
Ein Lichtblick am Vormittag waren fünf Kinder, bei denen wir Zahnversiegelungen durchführen konnten. Gemeinsam erklärten wir ihnen vorab den Ablauf, und sie machten großartig mit. Es war schön zu sehen, wie schnell wir in einen positiven Flow kamen und wie viel Freude diese präventive Arbeit auch uns bereitet hat.
Am Nachmittag widmeten wir uns erneut den dringenden Fällen – Abszesse und weitere Extraktionen standen auf dem Programm. Am Ende des Tages waren wir alle spürbar erschöpft, sowohl körperlich als auch mental.
Jeder von uns hat seine eigene Art, den Kopf wieder frei zu bekommen: Einige hören Musik, andere gehen spazieren und tauchen mit einem Podcast in eine andere Welt ein. Unser gemeinsames Abendritual hilft uns ebenfalls sehr: ein leckeres Abendessen, viel Lachen, ein Glas Wein und eine Runde Rummikub. Vielleicht reicht die Energie heute sogar noch für eine Partie „Brändi Dog“, ein Schweizer Brettspiel, das wir hier kurzerhand selbst gebastelt haben.
Morgen steht der letzte Behandlungstag dieser Woche an. Wir hoffen auf einen guten Ablauf und darauf, möglichst vielen Menschen helfen zu können. Gleichzeitig wissen wir, dass wir nicht alle behandeln können. Diese Realität ist emotional herausfordernd, und wir versuchen, damit so gut wie möglich umzugehen.
Tag 5 hat uns erneut gezeigt, wie anspruchsvoll, aber auch wie wertvoll dieser Einsatz ist.

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